Würdet ihr in Vaterkarenz gehen?
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Habe gerade im Standard einen Artikel gelesen, angeblich nehmen in Deutschland schon gut 20% der Väter Elternzeit in Anspruch http://derstandard.at/1266541021010/derStandardat-Interview-Vaeter-muessen-sich-nicht-mehr-schaemen.
Wir wollen noch ein Kind bekommen und meine Frau hat mich gefragt, ob ich auch in Karenz gehen würde. Bei unserem ersten Kind war es kein Thema bzw. wollte sie zuhause bleiben. Kurze Zeit zuhause bleiben, würde ich schon wollen, aber richtig in Karenz gehen, nicht wirklich. Wie seht ihr das?
Würde mir das auch überlegen - kann mir gut vorstellen auch in Vaterkarenz zu gehen, wenn es mit den Kindern soweit ist. Aber habts ihr eine Ahnung wie lange man da prinzipiell gehen kann? Wovon hängt das ab?
Hi Tintifax! Du wohnst in Wien, insofern kann ich dir das schon sagen.
Abhängen tut es eigentlich primär davon, wieviel Kinderbetreuungsgeld ihr haben wollt. Dauer und Geld hängen da zusammen.
Die Maximaldauer für Kinderbetreuungsgeld ist 3 Jahre, wenn beide Elternteile in Karenz gehen, bzw. der zweite Teil müsste davon mindestens sechs Monate nehmen. Alleinerziehende bzw. Eltern, die sich das nicht teilen, können maximal 2,5 Jahre Kinderbetreuungsgeld beziehen. Es gibt in Summe fünf mögliche Varianten: Je länger man Kindergeld beziehen möchte, desto geringer wird die Höhe. Seit Jänner gibt es auch das einkommensabhängige Kindergeld, aber das gilt nur, wenn die Eltern nicht länger als 14 Monate in Karenz sein wollen.
Ach ja, ich glaube eine einmal gewählte Variante muss man dann auch durchziehen, also umsteigen auf eine andere Variante geht nicht. Vater und Mutter können sich aber abwechseln beim in Karenz sein. Glaube zweimal kann man wechseln, allerdings muss die Dauer für eine Person zwei Monate sein.
Gibt irgendwo auch einen Kinderbetreuungsgeldrechner online.
LG, Wolf
Hallo Tintifax!
Über die neuen Varianten des Kinderbetreungsgeldes in Österreich gibt es hier auch einen Artikel: www.freshdads.com/magazin/kinderbetreuungsgeld-vergleichsrechner-und-kindergeld-neu
Lieben Gruß
Bernd
Da ich mehr verdient habe als meine Frau, war für uns damals klar, dass sie zuhause bleibt. Umgekehrt wäre es sich finanziell sicher nicht ausgegangen. Direkt nach der Geburt wäre ich gerne länger zuhause geblieben, habe mir damals zwei Wochen Urlaub genommen, aber mehr war nicht möglich.
Mit dem einkommensabhängigen Kindergeld ist das für mich wesentlich interessanter geworden. Problem ist aber, dass es das erst kurz gibt und umsteigen geht nicht. Wir wollen eh noch ein zweites Kind, wenn es soweit ist, kann ich mir das auf jeden Fall vorstellen.
Hello die Herren,
Danke für die vielen Infos. Ich wußte nicht, dass ich so lange in Vaterkarenz gehen kann. Also für mich ist das absolut ein Thema. Die Frage ist da halt auch der Jobausstieg oder der mögliche Wiedereinstieg. Die Frauen haben da natürlich das gleiche Problem, keine Frage. Da ich selbstständig bin, muß das aber natürlich gut geplant und gut überlegt sein. Wenn ich 3 jahre aus dem Berufsleben - weg von meinen Kunden - bin, wird der Wiedereinstieg wirklich schwer. bzw was mach ich in der Zwischenzeit mit meinem Business. Alles nicht so einfach.....aber ich hab ja ncoh ein bisserl Zeit und laß mich in der Zwischenzeit von euch gut drauf vorbereiten :)))))
Ihr seid überwiegend aus Österreich, oder? Ich bin nämlich aus Deutschland und bei uns ist es so geregelt, dass die Frau max. 12 Monate Elternzeit nehmen kann, wenn der Mann ebenfalls in Elternzeit geht bekommt man insg. max. 14 Monate finanziert. Diese 14 Monate kann man sich dann beliebig aufteilen (z.B. auch 7/7).
Ich möchte auf jeden Fall auch in Elternzeit gehen, bei meinem Arbeitgeber ist das auch kein Problem. Wie wir das genau aufteilen ist noch offen, wir haben noch 5 Monate bis zur Geburt, aber ich freue mich schon sehr darauf, ein paar Monate intensiv mit meinem Kleinen verbringen zu können!
Hi bjfri,
Ich bin aus Österreich - viele User hier sind aber auch aus Deutschland. Wir sind quasi mulikulti :))
Kann das auch absolut nachvolziehen, dass Du die Zeit intensiv mit deinem Kleinen verbringen willst. Hab einige Freunde in meinem Umfeld die das nicht konnten oder wollten und jetzt Jahre dannach drauf kommen, dass sie doch viel versäumt haben - aber die Zeit läßt sich nun mal nicht zurück drehen.
Hi Bjfri!
Die Leute hier sind glaub ich buntgemischt, mittlerweile sicher gleich viel Deutsche wie Österreicher hier vertreten. Auch in Österreich gibt es eine Variante bei der man 14 Monate Kinderbetreuungsgeld bekommt, wenn man es sich mit dem Partner teilt. Dürfte ähnlich sein wie bei euch in Deutschland. 14 Monate bei einem fixen Kinderbetreuungsgeld von 1000 Euro oder aber auch 14 Monate, wenn man es einkommensabhängig machen will, glaube das sind dann etwa 80 Prozent vom letzten Gehalt. Wenn nur ein Teil in Karenz geht, dann sind es auch maximal 12 Monate bei dieser Variante.
Frage ist halt bei dieser kurzen Karenzvariante, wer danach das Kind betreut. Babygrippe oder Oma und Opa. Teilzeit ist natürlich auch eine Variante, sofern das Geld dann noch reicht. Mit einem Jahr ist das Kind halt doch noch sehr klein. Aber 80% vom Letztgehalt bzw. 1000 Euro monatlich finde ich sehr attraktiv und ich denke, dadurch wird es doch für viele Väter leistbar, auch ein paar Monate mit dem Kind zu verbringen.
Finde deinen Entschluss, auch in Elternzeit zu gehen wirklich gut, Kinder werden verdammt rasch erwachsen und gerade die ersten paar Jahre sind für die Mutterkind und auch Vaterkind-Bindung sicher sehr wichtig und prägend. Ist es bei euch das erste Kind?
Hallo,
ja, das ist unser erstes Kind, und da will ich mir das nicht entgehen lassen, ein paar "Intensiv-Monate" mit dem Kleinen zu verbringen. Habe derzeit auch einen Job, bei dem ich das problemlos machen kann, was ja auch nicht immer selbstverständlich ist.
In Deutschland gibt es übrigens nur 67% des Nettogehalts als Elterngeld (bzw. findet heute eine Finanzklausur der Regierung statt, bei der u.a. das Elterngeld zur Disposition steht - möglicherweise wird es auf 60% gekürzt!), da habt ihr es in Österreich also etwas besser. Aber es sollte auch bei uns finanzierbar sein.
Was wir danach machen ist uns auch noch nicht klar, wir informieren uns jedenfalls schon bzgl. Krippen oder Tagesmütter, da es dort ja immer lange Wartezeiten gibt. Wenigstens in Teilzeit wäre das eine Überlegung - kommt Zeit, kommt Rat...
Ich habe den Sprung tatsächlich gewagt: inzwischen befinde ich mich in Monat 9 meiner einjährigen Elternzeit, die vom ersten bis zum zweiten Geburtstag unseres Sohnes geht.
Bislang habe ich die Entscheidung nicht bereut - die Zeit ist wunderschön. Unterm Strich sind Kind und Haushalt/Garten weniger anstrengend als gedacht, nur höchstens seeehr zeitaufwändig. Aber wenn man alles gelassen angeht, kann man die viele Zeit einfach genießen.
Meine Hoffnungen hinsichtlich einzigartiger "erster Male" und einer viel tieferen Beziehung zu meinem Kind haben sich außerdem voll und ganz erfüllt.
Und die Nachteile? Nun, eigentlich gibt's für mich nur einen Nachteil: die Sache hat einen Preis. Den zahlt man gleich doppelt: finanziell und karrieretechnisch.
Da ich der deutlich besser Verdienende bin (war), fällt die finanzielle Lücke z.B. ziemlich auf, da sie inzwischen das Elterngeld weit übersteigt.
Und karrieretechnisch (ich bin/war Führungskraft bei einem Mittelständler) wirft mich die Sache voraussichtlich ca. 2 - 4 Jahre zurück - genau werde ich das erst in einigen Jahren wissen.
Aber es ist nunmal so: wenn man erstmal "genug" Geld und Karriere hat, dann macht einen noch mehr davon im Regelfall nicht glücklicher. Man schraubt einfach seine Ansprüche hoch und ist genauso zufrieden/unzufrieden bzw. glücklich/unglücklich wie vorher.
Die Zeit mit meinem Kind aber macht mich glücklich (ziemlich sogar). Ich finde deshalb, dass es den Preis wert war.
Ausschlaggebend für die Entscheidung war schlussendlich die Erkenntnis, dass ich 30 Jahre Zeit habe, um die Sache in meiner Karriere auszubügeln. Aber mein Kind in dieser einmaligen Phase zu belgeiten (Laufen lernen, Sprechen lernen, die Welt kennenlernen!!) - diese Chance ist einzigartig.
Beste Grüße,
Andreas
Hallo Andreas,
Man liest bei Dir wirklich, dass Du den richtigen Schritt gemacht hast - die richtige Entscheidung für Dich. Ich kann mir vorstellen, dass es gar nicht so einfach ist die Karierre aufzugeben und so einen Schnitt zu machen. v.a. wenn man auch der deutlich besser verdienende war. Aber wie Du schon sagst, Geld macht nicht glücklich - es macht das Leben vielleicht in einigen DIngen einfacher, aber es ersetzt nicht die Momente, die Du erlebst, wenn Du die Kinder aufwachsen siehst.
Ich haben einige Freunde in meinem Umfeld, die sich für die Karriere entschieden haben und es heute bereuen, da die Zeit so schnell verflogen ist und sie kaum das erste Wort, den ertsen Schritt, das erste Lächeln, das erste Mal Fahrrad fahren miterlebt haben. Aber im Nachhinein ist es dann zu spät - diese Momente lassen sich nicht mehr wiederholen. Daher kann ich es nur voll und ganz nachvollziehen, dass Du Dich für die Elternzeit entschieden hast.
Danke für Deine Worte - da sie mich auch bestärken demnächst auch den gleichen Schritt zu machen.
Liebe Grüße,
tintifax
finde es toll, dass du den Schritt gewagt hast, überhaupt als Besserverdiener in der Familie. Da gehört viel Mut dazu. Interessieren würde mich, wie es bei euch zu der Entscheidung kam, dass du die längere Zeit der Elternzeit genommen hast?
Ich kenne viele Eltern, da wollen die Frauen unbedingt selbst in Karenz gehen, zumindest die längere Zeit, sodass sich dann die Eltern auf etwa 3/4 bleibt die Mutter zuhause und 1/4 der Vater einigen. Durch die Elternzeit hat man irgendwie auch die einmalige Gelegenheit eine tiefere Beziehung zum Kind aufzubauen. Meine Frau hätte diese Möglichkeit bei unserem ersten Kind nicht gerne an mich abgegeben.
Wir wollen noch ein Kind und meine Frau hat anklingen lassen, dass sie es super finden würde, wenn ich auch ein paar Monate zuhause bleiben würde, trotzdem ist es für sie irgendwie fix, dass sie die längere Zeit Karenz nimmt. Vielleicht frag ich sie, was sie davon hält, wenn ich den Hauptteil nehme. Auf ihre Reaktion bin ich gespannt :)
Schönes Wochenende,
silversurfer
Hallo silversurfer,
da habe ich mich vielleicht unklar ausgedrückt...meine Frau hat (knapp) die längere Elternzeit gehabt.
Meine Frau war von der Geburt an 14 Monate daheim. Ich habe am ersten Geburtstag begonnen und bin 12 Monate lang bis zum zweiten Geburtstag in Elternzeit. Wir haben also erst zusammen zwei "Partnermonate" genossen (das war toll - aber ganz ohne Einkommen natürlich auch Luxus, bei dem das Elterngeld gerade recht kam) und seitdem bin ich hier werktags alleine verantwortlich für Kind und Haus.
Die Einteilung hatte diverse Vorteile:
- volle 14 Monate Elterngeld
- enthält die schönen Partnermonate
- viel Vorlauf bei meinem Arbeitgeber, um den Weggang sauber vorzubereiten
- ich persönlich finde das zweite Jahr für den Vater "spannender", weil man schon viel mehr zusammen "erlebt". Aber da gibt's auch andere Meinungen.
Die Rollenverteilung in unserer Ehe ist zwar etwas ausgeglichener als im klassischen Muster, aber ich würde lügen, wenn ich sagte, wir sind da frei von Klischees. Davon gibt's bei uns immer noch reichlich.
Meine Entscheidung "Pro Elternzeit" ist übrigens ca. 10 Jahre alt und ebenso lange Bestandteil unseres gemeinsamen Lebensentwurfs - damals wäre das bezüglich Karriere auch noch leicht gewesen. Ich habe ausführlich darüber nachdenken müssen, ob ich das jetzt durchziehe.
In meinem Umfeld kenne ich übrigens auch einen Vater, der die längere Elternzeit nimmt - sie 7 Monate, er 24 Monate. Ich weiß, dass er SEHR zufrieden mit der Entscheidung ist - er wird vermutlich sogar seine Zeit noch verlängern (dort ist allerdings die Einkommenssituation derart, dass die Mutter besser verdient).
Ich fände es SEHR cool, wenn Du Deiner Frau den Vorschlag machen würdest und würde gerne die Reaktion hier lesen.
Ich nehme an, dass Deine Frau bei den "paar Monaten" nur an eine Zeit denkt, bei der Ihr gemeinsam bei den Kindern seid?
Ich bin mehrfach Frauen begegnet, die eine ausführliche Elternzeit des Vaters deshalb ablehnen, weil sie ihm das nicht zutrauen, den Laden "alleine zu schmeißen".
Beste Grüße,
Andreas
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Ich kann es dir nur empfehlen. Bin seit einem Monat in Vaterkarenz, war für meine Partnerin und mich von Anfang an klar, dass wir das gemeinsam machen. Sie ist im gleichen Beruf wie ich tätig und verdienen tun wir auch in etwa das Gleiche.