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Aufteilung Elternzeit zwischen Vater und Mutter

von: freshdads

Was haltet ihr von dem Vorschlag die Elternzeit gleichmäßig auf Mutter und Vater aufzuteilen. Sozusagen halbe-halbe. Der Vater muss z.b. von den 14 Gesamtmonaten 7 Monate in Anspruch nehmen, sonst verfallen die restlichen 7 Monate.

Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt hat diesen Vorschlag gemacht: http://freshdads.com/magazin/d-eltern-sollen-sich-elternzeit-zukunft-teilen

Arbeitgeber müssten dann damit rechnen, dass ein Mann genauso lange ausfallen kann wie eine Frau, sofern sie Kinder bekommen.

Aktuell nehmen zwar schon etwa 20 Prozent der Väter Elternzeit in Anspruch, aber sie gehen meist am Ende der Elternzeit bzw. Karenzzeit und dann meist nur wenige Monate.

 

 

Hier mal die (persönliche) Meinung eines Papas, der selbst ein Jahr Elternzeit daheim verbracht hat :

Für den Großteil der heutigen "Zwei-Monats-Nehmer" gilt: 

- sie sind mit Ihrer Partnerin zusammen zu Hause (= die Partnerin nimmt klassisch einen kontinuierliche Elternzeit >1 Jahr)

- ihr Arbeitgeber handhabt die Abwesenheit so wie einen langen Urlaub (= siehe haben einen Stellvertreter, keinen Nachfolger - und kehren hinterher auf den alten Job zurück)

Auf diesen Randbedingungen basiert der große Erfolg der Partnermonate (Ja, ich sehe 20% schon als Erfolg).

Die Hürde für den Sprung in die echte Elternzeit - wo diese Bedingungen nicht mehr gelten - ist für die meisten Väter immer noch riesig. Nur durch ein wenig Verschiebung in der finanziellen Zuwendung kommt da kaum die gewünschte Bewegung rein.

Folge wäre eher, dass die allermeisten Paare nicht mehr die vollen 14 Monate erhalten würden und dies als Kürzung und sich als Verlierer empfinden.

Allerdings: die Grundidee ist nicht falsch. Die Partnermonate erfüllen einen wichtigen Zweck: sie verschieben langsam die Meinung davon, was "normal" und "üblich" ist. Als ich meine Elternzeit ankündigte, sagte mein Oberboss wörtlich zu meiner Chefin: "Naja, mit sowas muss man heute wohl rechnen.". Diesen Satz werte ich bereits als großen Fortschritt gegenüber dessen, was er vermutlich 10 Jahre vorher gesagt hätte.

Die Hauptarbeit für diesen Veränderungsprozess liegt deshalb bei all den Vätern, die nun Elternzeit (ob kurz oder lang) nehmen. Sie müssen die guten Erfahrungen unter das Volk bringen und selbstbewusst-souverän jeden Alt-Macho auslachen, der sich über diesen Schritt lustig macht.

Meine persönliche Meinung: lieber noch etwas warten und die Riege der "ich hab's getan"-Väter noch ein wenig wachsen lassen, und dann mit vorsichtigen finanziellen Anreizen - möglichst ohne "Verlierer" zu schaffen - nachkarten. Und wenn sie dafür Geld brauchen, sollen sie endlich das Splitting für Kinderlose abschaffen...

Just my 2 cents,

Andreas

 

Hallo Andreas,

danke für deinen interessanten Beitrag bzw. deine Meinung. Sehe das ähnlich wie du: Eine gezwungene Teilung mit halbe-halbe könnte richtig nach Hinten losgehen. Denke viele Väter würden dann trotzdem nicht die volle Elternzeit in Anspruch nehmen, weil es für die Familie nicht leistbar ist. 

Gerade wenn man Kinder hat, ist Sicherheit auch hinsichtlich sicherem Einkommen und Job ein wichtiger Faktor. Es stimmt, bei einer kurzen Elternzeit verliert man in der Regel nicht den Job und kann danach wieder die gleiche Position übernehmen.

Der Grundgedanke bei der Teilung der Elternzeit ist aber durchaus interessant, überhaupt in dem Sinne, dass es für Arbeitgeber normaler werden würde, dass auch Männer in Elternzeit gehen. Es würde auch ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung von Mann und Frau sein, doch darf dieser Schritt nicht auf Kosten der Familieneinkommen geschehen.

Die "ich habs getan" Väter, werden immer mehr. 20% ist ein hoher Anteil, auch wenn manche nur ganz kurz davon in Elternzeit waren. Es hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan, das zeigt z.b. auch die Aussage von deinem Chef. Es geht da um eine gesellschaftliche Veränderung und die braucht Zeit. Aber es geht in die richtige Richtung.

Grüße, Bernd

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