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Social Media und Messenger – Tod für „echte“ Kommunikation?

Die Frage, ob unsere Kinder durch Smartphone & Co verlernen, miteinander zu sprechen, ist durchaus berechtigt. Dabei müssen wir uns aber auch als Eltern an der eigenen Nase packen.

Kinder mit ihren SmartphonesJungs spielen mit ihren Smartphones ©shutterstock.com/kikovic

Unsere Obsession zu Bildschirmen lässt sich nicht mehr leugnen. Menschen, die ihre Gesichter im Display ihres Smartphones oder Tablets vergraben, gehören zum alltäglichen Bild. Whatsapp, Facebook, Instagram sind allerdings nicht nur bezüglich der Inhalte kritisch zu betrachten, Kinder laufen auch Gefahr, dadurch einige wesentliche Dinge zu verlernen:

Die Fähigkeit, mit anderen zu sprechen

Unsere Kinder schießen Nachrichten raus, als wären sie im letzten Sprint kurz vor der Ziellinie. Schnell, mit diversen Kürzel und Smileys, auf das Wesentliche beschränkt und warten schon beim Tippen der Nachricht auf die Antwort. Dabei geht die menschliche Verbindung zum Kommunikationspartner verloren. Die Möglichkeit, sich etwas zu erzählen, Dinge ihres Lebens miteinander zu teilen - so richtig, nicht in Zweizeilern mit Emoji.

Die Fähigkeit, spontan zu denken und zu sprechen

Nachrichten im Messenger sind Nachrichten aus der Bubble. Geht es um Relevantes, wird oftmals ewig an einer Nachricht herumgefeilt. Wörter wieder gelöscht, die Formulierung genauestens überlegt. Kommunikation Face 2 Face bietet diese Möglichkeit nicht. Da ist schnelles Denken, Instinkt und frei von der Leber weg sprechen angesagt. Diese Fähigkeiten gehen zunehmend verloren und die Interaktion mit dem Gegenüber im realen Leben wird dann schon mal ein wenig peinlich und unangenehm.

Nonverbale Kommunikation und das richtige Deuten der Körperprache des Gegenübers

klar, wie will man das auch lernen, wenn man primär via Text Messages kommuniziert und Gefühle durch Emojis ausdrückt. Wobei gerade die nonverbale Kommunikation eine Unterhaltung oft erst spannend macht.

Die Fähigkeit, sich auf andere zu konzentrieren

Denkt mal zurück an eure Kindheit.  An Nachmittage mit unseren Freunden oder die Schulpause. Wir haben miteinander gequatscht, herumgeblödelt, über andere gelästert. Und dann beobachtet mal eine Gruppe Kinder/Teenager heute, die primär mit ihren Smartphones beschäftigt ist. Sich die Dinger zwar gegenseitig unter die Nase hält, im Fokus steht aber letztlich doch der Bildschirm. Nicht immer, aber viel zu oft.

Authentisch und glaubwürdig zu kommunizieren

Die Nachrichten aus dem Messenger sind gefiltert und man kann sich prima dahinter verstecken. Seine Gefühle und sein Befinden verstecken. Manchmal gut, weil Gefühle gehen nicht jeden etwas an. Manchmal aber auch schlecht. Von Angesicht zu Angesicht ist das schwieriger – und auch nicht immer zielführend.

Zwischenmenschliche Interaktion mit Freunden

Manchmal will man sich an jemandes Schulter ausweinen. Sich auskotzen. Braucht eine Umarmung, weil man einen miesen Tag hatte. Sich jemandem persönlich anzuvertrauen, erfordert manchmal Mut und Courage, das Zulassen und Akzeptieren physischer Nähe Anderer geht zunehmend verloren.

Die Fähigkeit, zuzuhören

Diese Dinger mit dem Bunten Bildschirm als Tor zur Welt, Videothek, Bibliothek, Musiksammlung und Multikommunikationschannel haben uns beigebracht, unser Gegenüber ganz hervorragend auszublenden. Bringt Eltern schon mal auf die Palme, manchmal sind wir aber – Hand auf’s Herz - selbst nicht besser.

Die Fähigkeit, zu argumentieren

Eine Diskussion im echten Leben braucht – anders als die Schnellschusstextkommunikation in Whatsapp – ein Konstrukt. Die Fähigkeit, einen Standpunkt zu vertreten, ihn zu untermauern und spontane Gedanken in Worte zu fassen. Und die Fähigkeit, Fehler einzugestehen. Face 2 Face gibt es kein Emoji mit roten Backen, um Verlegenheit auszudrücken und ein „Don’t care“ kommt nicht sonderlich gut an.

Wir sind die Vorbilder unserer Kinder

Wir sollten daher Vorbilder sein. Feste Regeln zu Hause am Esstisch können nicht schaden. Eine handyfreie Zeit in der Familie, um sich auszutauschen, miteinander zu reden und diese Fähigkeiten auch an unsere Kinder weiterzugeben. Sie vor allem aber auch nicht selbst zu verlernen, denn wer soll es den Kindern dann weitergeben?

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