Blogeintrag

Angeln mit Kindern: Was du wirklich brauchst – und was du dir sparen kannst

AndreasBab

Mein Vater hat mir das Angeln nicht erklärt. Er hat eine Rute aus dem Keller geholt, mich in sein Auto gesetzt und ist zu einem See gefahren, dessen Namen ich bis heute nicht kenne. Irgendwo südlich von Kassel. Dann hat er mir den Wurm an den Haken gemacht — was ich mit neun Jahren für einen dieser unvergesslichen Momente hielt, weil ich nicht wusste, dass man Würmer einfach so anfassen kann, ohne dabei zu sterben — und gesagt: „Wirf rein."

Das war's. Kein System, kein Erklären, keine Pädagogik. Zwei Stunden lang saßen wir da und er hat geraucht und ich habe auf den Schwimmer gestarrt, als wäre er der interessanteste Gegenstand der Welt. Einen Fisch haben wir nicht gefangen. Trotzdem ist es eines der wenigen Kindheitserlebnisse, an die ich mich präzise erinnere.

Ich erzähle das, weil ich vor einem Jahr vor einem ähnlichen Moment stand — mein Sohn, sieben Jahre, fragte mich ob wir zusammen angeln gehen könnten — und ich gemerkt habe, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich anfangen soll. Die Rute meines Vaters ist längst weg. Ich besitze nichts. Ich weiß nicht einmal mehr, wo in unserer Gegend ein See ist, an dem man einfach so ans Wasser kann.

Was mich beim Einstieg überrascht hat

Das erste Problem war nicht die Ausrüstung. Es war der Schein.

Ich hatte keine Ahnung, dass man in Deutschland einen Fischereischein braucht, um überhaupt legal angeln zu dürfen. Und dass der Schein eine Prüfung voraussetzt. Und dass man für diese Prüfung Fischkunde lernen muss, Gewässerschutz, gesetzliche Mindestmaße für verschiedene Arten — ich bin 38 Jahre alt und hab das nicht gewusst.

Für Kinder unter 14 ist das zum Glück unkomplizierter: Die dürfen unentgeltlich mit einem scheininhaberpflichtigen Erwachsenen zusammen angeln. Das heißt, ich brauche erstmal nur meinen eigenen Schein — oder ich suche ein Vereinsgewässer, das Tageskarten auch ohne Schein ausgibt. Ein Anruf beim örtlichen Angelverein klärt das in fünf Minuten.

Die Ausrüstungsfrage — und warum ich fast zu viel gekauft hätte

Hier kann man sich in ein Kaninchenloch graben, das man erst nach 400 Euro wieder verlässt.

Ich hab eine Weile Foren gelesen. Das war ein Fehler. Die Leute dort sind nett, aber sie angeln seit 30 Jahren und sind von dem, was Einsteiger brauchen, vollständig entkoppelt. Ich wurde in einer Anfänger-Frage in vier Richtungen gleichzeitig beraten — Feederangeln, Stippen, Grundangeln, Spinnfischen — und verstand am Ende weniger als vorher.

Was ich letztlich gekauft habe: eine Teleskoprote für etwa 20 Euro, eine aufgespulte Stationärrolle dazu, ein Set mit Schwimmern, Bleien und Haken. Würmer hab ich im Garten gesucht. Mein Sohn hat dabei geholfen. Das war vermutlich der beste Teil des ganzen Ausflugs.

Wer Preise vergleichen will bevor er irgendwo zuschlägt: Ich hab petrideal.de genutzt, eine Seite die Angelshops aggregiert und direkt zeigt wo gerade was günstiger ist. Hat mir bei der Rute tatsächlich 12 Euro gespart.

Gesamtkosten: 38 Euro. Online entsteht schnell der Eindruck, man komme unter 150 Euro nicht vernünftig ausgestattet weg — das stimmt nicht.

Der erste Tag

Nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Mein Sohn war 40 Minuten lang begeistert. Dann hatte er Hunger. Dann wollte er wissen ob Fische Ohren haben. Dann fand er einen Käfer interessanter als den Schwimmer. Nach eineinhalb Stunden haben wir einen kleinen Barsch gefangen — ich glaube, er war genauso überrascht wie wir — und danach hat mein Sohn erklärt, dass wir den zurücksetzen müssen, weil er „ein Lebewesen" sei. Was korrekt ist.

Nicht zu lang. Zwei Stunden sind das Maximum für jemanden, der noch nicht sicher weiß ob er das Hobby mag. Und ein Plan B hilft — wir hatten Brote dabei und danach noch ein Eis geholt. Der Rückweg war fröhlicher als das Angeln selbst.

Die Gespräche kommen von selbst. Mein Sohn hat mich gefragt, wie tief der See ist. Ob es da unten dunkel ist. Ob Fische schlafen. Das waren keine Gespräche, die ich hätte anleiten können. Die passieren, wenn man eine Stunde lang auf dasselbe Wasser schaut und nichts tun muss.

Wo man am besten anfängt

Vereinsseen sind besser als Wildgewässer, jedenfalls am Anfang. Dort werden regelmäßig Fische eingesetzt, die Ufer sind meistens zugänglich, und die Chancen sind höher, dass tatsächlich etwas beißt. Ob ein Kind nach dem ersten Ausflug wiederkommen will, hängt daran, ob am Haken mal was war.

Wildgewässer haben ihren Reiz, aber nicht als Einstieg. Man braucht mehr Erfahrung, der Zugang ist oft schwieriger, und die Chancen sind geringer. Das kann frustrierend sein, wenn man noch nicht weiß, ob man die Geduld hat.

Wir gehen jetzt ungefähr einmal im Monat. Meistens nicht länger als zwei Stunden. Manchmal fangen wir was, manchmal nicht. Mein Sohn hat inzwischen eine Meinung zu verschiedenen Ködern entwickelt. Ob sie stimmt, weiß ich nicht — ich hab selbst noch zu wenig Ahnung.

Mir ist das egal. Wir lernen das zusammen.

Hast du schon mit deinem Kind geangelt? Schreib mir in den Kommentaren, wie es gelaufen ist.

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