Friends of Freshdads
Reinhard Winter ist Pädagoge und Geschlechterforscher. Am 28. Juni 2016 spricht er um19.30 Uhr, in der Cafeteria im Generationenhaus in Bern, über das Thema ‚Väterliche Autorität‘. Markus Theunert hat ihn im Vorfeld dazu interviewt
„‘Väterliche Autorität‘ Das klingt etwas heikel im Genderbereich. Gibt es denn eine väterliche Autorität, die anders ist als eine mütterliche Autorität?
Ja. Zunächst und zuerst ist persönliche Autorität zwar etwas Allgemeines, das geht beide Eltern an. Aber darunter oder dahinter wirkt viel Gender, also Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die es gibt, ohne dass sie biologisch begründet sein müssen: Väter sind Männer, sie haben eine andere Grundbeziehung zum Kind, weil sie es gezeugt haben und nicht in der Schwangerschaft im Bauch hatten. Oft haben Männer Männlichkeitsbilder im Nacken, wenn sie ihre Beziehung zum Kind gestalten. Oder ihre männliche Berufsidentität und -welt wirken ins Vatersein hinein. Viele Mütter zeigen Erwartungen an den Vater als Mann, zum Beispiel dass er schützt und versorgt, das prägt seine Rolle. Und Kinder wollen nahe, liebevolle Väter, aber sie sagen auch manchmal: Väter müssen streng sein. Das alles macht väterliche Autorität besonders und es ist wichtig, heute darüber nachzudenken. …
Woran sonst fehlt es Eltern in ihrer Autorität?
Was ich oft erlebe ist, dass Kinder mit Konsumartikeln überschüttet werden. Das ist aber nicht Verwöhnen, sondern fehlende Liebe, Ruhigstellen, das schlechte Gewissen beruhigen wollen. Und viele Eltern wissen nicht oder können es nicht klar zeigen, was sie wollen. Viele sind nicht gut konsequent – oder sie halten ihre Konsequenzen nicht aus, die sie selbst bestimmt haben, und nehmen sie zurück. Manche verstehen sich als Kinderchauffeure oder versuchen, den Kindern lästige Aufgaben abzunehmen, etwa solche, die mit der Schule zusammenhängen. All das macht Kinder nicht narzisstisch, sondern innerlich unsicher, orientierungslos oder verrückt. Zum liebevollen Erziehen von Kindern gehört auch, ihnen etwas zumuten. Kindern zu viel abnehmen ist respektlos, und Respekt wiederum ist ein wichtiges Element von Autorität.
Und was hat das mit an- oder abwesenden Vätern zu tun?
Gute, persönliche Autorität ist Beziehung und darin eine besondere Qualität. Wer nicht da ist, kann nicht gut in Beziehung sein. Gelegentlich auftauchen und dann den großen Helden spielen: Dieses «Quality-Time»-Konzept trägt auf Dauer nicht. Umgekehrt trägt eine stabile Vater-Kind-Beziehung auch durch schwierige Phasen, vor allem durch die Pubertät mit ihren Konflikten und Lösungsversuchen. Und da braucht’s eben auch den väterlichen Halt, seine liebevolle Klarheit in der Beziehung. Und im System der Familie braucht es den Vater mit seiner Variante der Autorität, egal wie sie ist, einfach ein anderes Modell als die Mutter. Und auch dafür ist seine Anwesenheit gefordert, da genügt kein Foto von ihm auf dem Sideboard. …“
Am 1. Juli werden das ElterngeldPlus und der Partnerschaftsbonus ein Jahr alt. Und die neue Regelung kommt gut bei den Familien an: Nach neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist die Inanspruchnahme des ElterngeldPlus erneut gestiegen. Im ersten Quartal 2016, ein Dreivierteljahr nach Einführung der neuen Leistung, haben sich insgesamt 17,4 % der Eltern für das ElterngeldPlus entschieden. In Thüringen waren es sogar 28,3 %, gefolgt von Rheinland Pfalz mit 23,2 % und Niedersachsen mit 22,1 %. Im vorangegangenen Quartal waren es bundesweit noch 16 % der Eltern, die sich für das ElterngeldPlus entschieden hatten.
Was diese Zahlen allerdings nicht hergeben ist der Umfang der Erwerbstätigkeit im Rahmen von ElterngeldPlus und auch nicht wie viele Väter sie in Anspruch nehmen und währenddessen in Teilzeit tätig sind. Und den Partnerschaftsbonus gibt es, wenn beide Vater und Mutter parallel 4 Monate lang zwischen 25 und 30 Stunden arbeiten, quasi Familienarbeitszeit Light, auch dazu gibt es überhaupt keine Zahlen. Zumindest werden diese nicht veröffentlicht, liegt das daran, dass sie die Erfolgsbilanz eintrüben würden?
Mütter sind immer häufiger erwerbstätig – Väter nehmen immer stärker eine aktive Rolle in der Familie ein. Die Mehrheit der Eltern mit Kleinkindern befürwortet heute ein Lebensmodell, in dem beide Eltern in ähnlichem Umfang erwerbstätig sind und sich gemeinsam um die Fürsorgearbeit kümmern. Auch in der Politik werden neue Konzepte der partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbsarbeit und Familienarbeit diskutiert.
Aber nur wenige Eltern schaffen es bislang, ein solches Modell auch tatsächlich zu leben. SowiTra möchte mit solchen Familien ins Gespräch kommen und erkunden, wie sie damit ihren Alltag gestalten und wie sie dieses Modell bewerten.
Welche Erfahrungen machen Eltern, die beide gleichzeitig vollzeitnah erwerbstätig sind und sich die Familienarbeit teilen und wie erleben Kinder eine solche Konstellation ihrer Eltern?
Die Fragestellungen der Studie
- Wie erleben Eltern & Kinder es, wenn Vater und Mutter beide jeweils 32-36 Wochenstunden arbeiten?
- Wie gestaltet sich dadurch der Familienalltag für Eltern & Kinder?
- Welche Abstimmungen und Herausforderungen müssen Familien dabei lösen?
- Welche Vorstellungen haben Kinder aus diesen Familien über „erwerbstätige Mütter“ und „aktive Väter“?
- Wie waren die betrieblichen Reaktionen auf die Veränderung der Arbeitszeit?
Im Rahmen des Projekts werden Interviews mit Eltern und Kindern geführt. Von besonderem Interesse sind dabei Ihre Motive und Erfahrungen, Ihre beruflichen Konsequenzen sowie die für die Gestaltung des Alltags in Ihrer Familie.
Die Interviews dauern ca. 60 Minuten und finden bei Ihnen zu Hause statt. Die Auswertung erfolgt streng anonymisiert. Wir nutzen die Erkenntnisse daraus für die Formulierung von familienpolitischem Gestaltungsbedarf. Gerne informieren wir Sie über unsere Ergebnisse!
Mitmachen können Familien….
- mit mindestens einem Kind im Alter von 6 bis 12 Jahren,
- in denen beide Eltern „vollzeitnah“ zwischen 32 und 36 Wochenstunden arbeiten,
- die Erwerbs- und Familienarbeit partnerschaftlich aufteilen
Wenn die Beschreibung auf ihre Familie zutrifft und Sie Interesse haben, sich an der Studie zu beteiligen und SowiTra über ihre Alltagserfahrungen in einem persönlichen Gespräch zu berichten, können Sie sich per Mail oder Telefon bei SowiTra 030-53014281 melden.
Für mehr als jedes dritte Kind (34,2 %), das 2014 in Deutschland geboren wurde, bezog nicht allein die Mutter, sondern auch der Vater Elterngeld. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, hat sich die sogenannte Väterbeteiligung beim Elterngeld damit im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 Prozentpunkte erhöht. Die Beteiligung der Väter steigt seit Einführung dieser Leistung kontinuierlich an: Beim Geburtsjahrgang 2008 war es noch jedes fünfte Kind (20,8 %) gewesen, für das der Vater Elterngeld in Anspruch nahm, beim Geburtsjahrgang 2010 bereits jedes vierte Kind (25,3 %). Dem gegenüber lag die Mütterbeteiligung 2014 bei 96 %. Insgesamt haben 933 000 Mütter und Väter für ihre im Jahr 2014 geborenen Kinder Elterngeld bezogen.
Sachsen war mit inzwischen 44,2 % schon das dritte Jahr in Folge Spitzenreiter bei der Väterbeteiligung, gefolgt von Bayern mit 41,7 %. Doch auch das Saarland, das in den letzten Jahren durchweg die geringste Väterbeteiligung beim Elterngeld aufwies, holt auf: Dort hat sich die Väterbeteiligung seit dem Geburtsjahrgang 2008 von 12,0 % auf 23,0 % nahezu verdoppelt.
Das im Jahr 2015 neu eingeführte Elterngeld Plus konnte für Kinder des Geburtsjahrgangs 2014 noch nicht in Anspruch genommen werden. Die maximale Bezugsdauer betrug noch zwölf Monate für ein Elternteil beziehungsweise 14 Monate bei Alleinerziehenden oder bei geteilter Inanspruchnahme von beiden Eltern, wobei jeder Elternteil mindestens zwei Monate lang Elterngeld beziehen musste. Ebenso wie in den Vorjahren entschieden sich vier von fünf Vätern (79 %) für die Mindestbezugsdauer von zwei Monaten, während die überwiegende Mehrheit der Mütter (87 %) die maximale Bezugsdauer von zwölf Monaten ausschöpfte.
Väterbeteiligung am Elterngeld für im Jahr 2014 geborene Kinder Land Im Jahr 2014geborene Kinder Darunter Kinder,
deren Vater
Elterngeld
bezogen hat Väterbeteiligung
(Anteil Spalte 2
an Spalte 1) Differenz zur
Väterbeteiligung
im Vorjahr Anzahl % Prozentpunkte Baden-Württemberg 95 632 36 938 38,6 2,3 Bayern 113 935 47 557 41,7 1,8 Berlin 37 368 14 028 37,5 1,9 Brandenburg 19 339 6 988 36,1 1,3 Bremen 6 211 1 621 26,1 1,3 Hamburg 19 039 7 106 37,3 2,1 Hessen 54 631 17 763 32,5 2,3 Mecklenburg-Vorpommern 12 830 3 548 27,7 1,5 Niedersachsen 66 406 21 183 31,9 2,9 Nordrhein-Westfalen 155 102 41 573 26,8 1,7 Rheinland-Pfalz 33 427 9 812 29,4 2,8 Saarland 7 328 1 685 23,0 2,9 Sachsen 35 935 15 875 44,2 3,2 Sachsen-Anhalt 17 064 4 753 27,9 2,6 Schleswig-Holstein 22 793 6 702 29,4 2,7 Thüringen 17 887 7 251 40,5 3,6 Deutschland 714 927 244 383 34,2 2,2
Weitere detaillierte Ergebnisse der Elterngeldstatistik für im Jahr 2014 geborene Kinder sowie Ergebnisse zum Elterngeld Plus (detaillierte Ergebnisse zu Bestandsdaten bis zum vierten Quartal 2015) sind im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes abrufbar.
Beim 5. LUMIX Festival für jungen Fotojournalismus, das von Mittwoch, den 15. bis Sonntag, den 19. Juni in Hannover stattfindet, werden 60 Foto-Arbeiten präsentiert. Unter anderem die „Swedish Dads“ von Johan Bävman.
In Schweden können junge Eltern bis zu 480 Tage lang zu Hause bleiben und sich um ihren Nachwuchs kümmern. In der Serie „Swedish Dads“ porträtiert Johan Bävman Väter, die mindestens sechs Monate Zeit mit ihren Kindern verbringen und damit deutlich mehr als der Durchschnitt. Eine Spurensuche nach den positiven Auswirkungen des schwedischen Systems und der Beziehung zwischen Vater und Kind.
Ausstellungsort H / Richard-Kühn-Haus
Knapp die Hälfte der Paare mit Kindern unter 18 Jahren empfindet es als ideal, wenn beide Partner gleichermaßen erwerbstätig sind und sich um Haushalt und Familie kümmern. Das hat die Familienbefragung im Rahmen des Familienberichtes für Nordrhein-Westfalen ergeben, der im vergangenen Jahr vorgelegt wurde. Viele Väter haben daher den Wunsch, den Umfang ihrer Arbeitszeit zu reduzieren, weil sie sich aktiv an der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder beteiligen möchten.
ElterngeldPlus und die flexibleren Möglichkeiten zur Gestaltung der Elternzeit bieten jungen Eltern gute Chancen, die Betreuung und Erziehung von Kindern partnerschaftlich zu gestalten. Es müssen aber weitere Weichen gestellt werden. Mit einer Väterkampagne möchte das Familienministerium die Diskussion über die Bedeutung einer aktiven Vaterschaft verstärkt in die Gesellschaft hineintragen und mehr Väter ermutigen, Elternzeit in Anspruch zu nehmen.
Frau Ministerin Christina Kampmann wird die Väterkampagne im Rahmen einer Auftaktveranstaltung vorstellen, zu der sie Sie herzlich einladen möchte.
am Mittwoch, den 29. Juni 2016, 9.30 Uhr bis ca. 13.30 Uhr
im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport,
Haroldstraße 4, 40213 Düsseldorf
Programmablauf
9.30 Uhr Check-in und Empfang
10.00 Uhr Begrüßung Ministerin Christina Kampmann
10.10 Uhr Keynote
10.40 Uhr Spotlight 1 Videoclip: Väterrollen in Bewegung
10.45 Uhr 1. Gesprächsrunde
Christoph Paas, ‚Spitzenvater‘ 2016
Mark Bourichter, Blog Daddylicious
Alexander Peitzsch, Sparkasse Münsterland Ost
Marco Krahl, Magazin DAD
11.05 Uhr Spotlight 2 Väter in NRW – erste Ergebnisse einer Auswertung, Dr. Wolfgang Seifert, IT.NRW
11.15 Uhr 2. Gesprächsrunde
Stephan Buttgereit, Landesarbeitsgemeinschaft Väterarbeit NRW
Cornelia Spachtholz, Verband berufstätiger Mütter e.V.
Jürgen Grah, Tagesvater
11.45 Uhr Spotlight 3 Väterarbeit in NRW – erste Ergebnisse einer Bestandsaufnahme, Hans-Georg Nelles
11.55 Uhr Kabarett: Die Stereotypen
12.00 Uhr Gespräch mit Ministerin Christina Kampmann – Vorstellung der Väterkampagne
12.30 Uhr Imbiss/Get together
parallel: Informationen zum neuen Väterportal, zur Fachstelle Väterarbeit NRW, zur LAG Väterarbeit, zum Väternetzwerk NRW, zu Väter-/Familienblogs
Gesamtmoderation: Dr. Thomas Guntermann
Ihre Anmeldung wird hier entgegengenommen.
Ja die Sache mit der Vereinbarkeit, einfach gewollt schwierig getan und …
Ich könnte mich ja bequem zurücklehnen, meine drei Kinder sind aus dem Haus, es fehlen lediglich noch zwei Masterabschlüsse und meine Partnerin hat einen Führungsjob in einer Bildungseinrichtung. Von den guten schlechten alten Zeiten erzählen, wo U3 Angebote so selten wie Wale im Rhein waren und Kitas spätestens um 16 Uhr dicht machten tue ich aber nicht.
Stattdessen habe ich in den vergangenen Tagen noch einmal in den Anfängen meines Blogs, der in wenigen Wochen 10 Jahre alt wird, herumgelesen und werde, ganz im Sinne des von Felicitas Richter initiierten Projekts „simple present“, fünf Beiträge aus dem August 2006 aktualisieren. Wer’s nicht glaubt, dass sie wirklich schon so alt sind, kann gerne auch im Archiv stöbern.
Paschas, Nestflüchter? – der neue Mann im Spiegel der Zeitverwendungsstatistik
Von Welt bis Frankfurter Rundschau, vom Handelsblatt bis zu Brigitte, eine Frage beschäftigt sie alle: Ist der neue Mann nun auch statistisch nachweisbar oder gilt das alte Beck Zitat von der verbalen Aufgeschlossenheit und der Verhaltensstarre immer noch?
Soviel vorweg, es gilt ein entschiedenes sowohl als auch und was dem männerfreundlichen Soziologen recht ist, reicht der engagierten Frauenrechtlerin noch lange nicht. Der Politologe Peter Döge vom Berliner Institut für anwendungsorientierte Innovations- und Zukunftsforschung hat die Daten der so genannten Zeitbudget-Analysen des Statistischen Bundesamts analysiert. Danach wenden Männer im Durchschnitt pro Woche knapp eine halbe Stunde mehr für Haushalt und Familie auf als noch vor zehn Jahren, Frauen hingegen rund fünf Stunden weniger.
Auch für die Kinderbetreuung nehmen sich Männer mehr Zeit: Väter verbringen heute durchschnittlich eine Stunde pro Woche mehr mit ihrem Nachwuchs, während sich die Frauen eine Stunde weniger um ihre Kinder kümmerten. Die Zeit für ihre Kinder sparten die Väter aber nicht bei ihrem Beruf ein, sondern in anderen Bereichen.
Brigitte traut der Studie wohl nicht und fragt Ihre LeserInnen: „Hat ihr Partner Hausmannqualitäten??” In dem ‚Trendcheck’ äußern 31% der LeserInnen, dass ihr Partner vollkommen selbständig wäscht putzt und bügelt. Die Frankfurter Rundschau titelt aber trotzdem „Wir haben die spießigsten Männer” und die Autorin fordert dazu auf, Männer zu ihrem Glück zu zwingen. „Zwang üben wir heute auf Frauen aus. Solange wir Fürsorge als weiblich und freiwillig definieren, stecken wir in einer Falle. Also müssen wir nun die Männer zwingen, fürsorglich zu sein. Solange wir die Männerrolle nicht umdefinieren, werden wir das Dilemma nicht lösen.” Fragt sich nur, wer dazu die Definitionsmacht hat und welche Umerziehungsmethoden statthaft sind und welche nicht.
1:0 für die Familie – Manager oft zwischen Job und Familie
Mit seiner Entscheidung auf den Posten als Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft zu Gunsten seiner Familie zu verzichten, weist Jürgen Klinsmann auf ein Problem vieler Manager hin: die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in gehobenen Positionen.
Beruf und Familie scheinen gerade im Management über weite Strecken unvereinbar zu sein bzw. nötigen zur “entweder-oder Entscheidung”. Jürgen Klinsmanns Abgang als Trainer der Nationalelf zeigt einmal mehr, dass in höheren Etagen von Sport, Wirtschaft und Politik nur mehr wenigen eine Kombination aus Karriere und Kinder gelingt. „Mit seiner Entscheidung für die Familie spricht der Bundestrainer vielen Betroffenen aus der Seele, denn immer mehr Männern und Frauen fällt es schwer Beruf und Privatleben gut zu vereinbaren”, äußert Joachim E. Lask, Leiter des WorkFamily-Instituts, und verweist auf zahlreiche Studien.
Vor allem Menschen, die beruflich viel unterwegs sind zerreißt dieser Spagat. „Um dieser Falle zu entgehen, ist ein Umdenken in Richtung Vereinbarkeit von Beruf und Familie notwendig”, attestiert Lask und entwickelt an seinem Institut seit drei Jahren neue Ansätze für eine bessere WorkLife- bzw. WorkFamily-Balance. Viele Führungskräfte sehnen sich nach guten Lösungen. Sie sind des Kämpfens müde und machen sich Sorgen um ihre wertvollsten Güter: um ihre Gesundheit und um ihre Familien. Laut einer aktuellen Umfrage des Wirtschaftsforums der Führungskräfte bezeichnen nur 14 Prozent der Befragten ihren Gesundheitszustand als ‚ausgezeichnet`. Ein gutes Drittel der Führungskräfte zwischen 33 und 50 Jahren gesteht gesundheitliche Probleme ein. Die Hälfte der Frauen im Management gibt an, dass ihr Privatleben zu kurz kommt. Einem erheblichen Teil gelingt es insgesamt nicht, jenseits der Arbeit für entsprechenden Ausgleich und Zufriedenheit zu sorgen. Das alles ist Alltag und Realität trotz Mega-Trend Work-Life-Balance. Bei 61 Prozent der Befragten wird in ihren Unternehmen sogar Gesundheitsberatung angeboten. Aber auch Gesundheitsberatung alleine ist zuwenig. „Benötigt werden einfühlsamere und sozialere Führungsqualitäten”, erklärt Lask.
Nur 2% wollen für Job auf Familie verzichten
Für den Traumjob würden mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer (37 Prozent) in Deutschland einen Ortswechsel in Kauf nehmen, 23 Prozent eine neue Fremdsprache erlernen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage von stellenanzeigen.de unter 3054 Beschäftigten. Fast ein Fünftel (19 Prozent) war bereits für den Traumjob auf Freizeit zu verzichten. Für 18 Prozent kämen Abstriche beim Gehalt in Frage. Aber nur zwei Prozent waren bereit, für den Job auf eine Familie zu verzichten.
Jetzt müssen die 98% nur noch ihre Arbeitgeber überzeugen, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Familie und Beruf für Väter und Mütter in einer partnerschaftlichen Aufgabenteilung zu verwirklichen sind. Aber bei diesen Mehrheitsverhältnissen dürfte das doch eigentlich kein Problem sein!
Partnerschaftlich kann eine Beziehung nach Auffassung von Gesine Schwan nur sein, „… wenn beide berufstätig sein können, wenn beide neben der Familie Interessen außerhalb des Hauses haben. Und natürlich weiß ich, dass da die Schwierigkeiten anfangen … für junge Paare mit kleinen Kindern … Deshalb träume ich davon, dass wir unser Bild von Biografien langsam verändern. Dass von Leuten nicht mehr erwartet wird, den Karrierehöhepunkt mit 45 Jahren zu erreichen, sondern ruhig erst mit Mitte, Ende 50 – zur größeren beruflichen Verantwortung käme dann auch mehr Lebenserfahrung.”
Schwan glaubt nicht, dass Mann oder Frau “mit 35 oder 45 Jahren notwendig kreativer ist als mit 50 oder 60. Sie fühlt sich heute leistungsfähiger und klarer im Denken als vor zehn oder fünfzehn Jahren. Zudem müssten sich 45-Jährige nach diesem Modell nicht fragen, was sie mit dem Rest ihres Berufslebens anfangen sollen. Eltern hätten mehr Zeit für ihre Kinder. Und das wäre so wichtig, denn eine kinderlose Gesellschaft gehört für sie eher ins Reich der Albträume. Voraussetzung für all dies wäre allerdings ein verändertes Rollenbild: Überlegenheit dürfte dann von Männern … weder beansprucht noch erwartet werden, Über- und Unterordnung sollten in Beziehungen gar nicht mehr vorkommen.”
Die Frage ‘Wird die Zeit knapp?’ beantwortet sich Alexander Greisle im future blog mit einem zweifachen ‘Nein!’. Erstens: siehe oben und ‘Zweitens werden wir lernen müssen, mit unseren schlechten Gewissen umzugehen, wenn im verfügbaren Zeitbudget eine Arbeit nicht zur vollständigen eigenen Zufriedenheit erledigt wurde. Nur dann klappt es mit den Zeitbudgets und die nicht-beruflichen Belange behalten ihren Stellenwert.’
Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema bietet das Bulletin des Deutschen Jugendinsituts. In den Beiträgen geht es unter anderem um die Themen ‘Familienzeit’, ‘Entgrenzte Arbeit – entgrenzte Familie’ und ‘Männer und Familiengründung’. Dort heißt es im Fazit: “Durch den gegenwärtigen Sprachgebrauch ‘Balance von Arbeit und Leben’ wird der individuelle Akt des alltäglichen Ausbalancierens hervorgehoben. Um die Bereitschaft zur Familiengründung zu erhöhen, dürfen jedoch die gesellschaftlich – strukturellen Rahmenbedingungen nicht aus dem Blick geraten.”
Es gibt nichts Gutes außer Mann und Frau tun es, gemeinsam und partnerschaftlich! Das heißt nicht, dass Jeder zu jedem Zeitpunkt das Gleiche macht, obwohl auch dass eine spannende Herausforderung ist. Wichtig dabei sind nach meiner Auffassung zwei Kompetenzen, die teilweise schwer zu ertragen sind: Der Umgang mit Ambivalenzen und die Ambiguitätstoleranz. Es nutzt nichts, Widersprüche dadurch auflösen zu wollen, indem ich meine Erwartungen ausblende. Ich habe sie und erlebe täglich, dass sie sich nicht alle erfüllen lassen. Und auch meine Entscheidungen führen manchmal zu Ergebnissen, die ich schwer ertragen kann, und trotzdem treffe ich sie. Und das gilt es auszuhalten, simple present.
Darf ein Kind bei den Eltern bleiben, oder kommt es in eine Pflegefamilie? Wie soll man entscheiden? – Fragen, die über das Leben von Kindern und Eltern entscheiden, sind für die Sozialarbeiter des Jugendamtes Bergisch Gladbach an der Tagesordnung. Über zwei Jahre hinweg begleitete Filmemacher Wolfram Seeger Frau Mirski und ihre Kollegen bei ihrer täglichen Arbeit um das Kindswohl. Ein Dokumentarfilm über bewegende menschliche Schicksale und einen Beruf, der ein Höchstmaß an Verantwortung erfordert.




